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Informationen zur Interpretation von ODL-Messergebnissen
Der Mensch ist ständig einer natürlichen, äußeren Strahlenbelastung ausgesetzt.
Diese setzt sich aus einer terrestrischen
und einer kosmischen Komponente zusammen. Erstere hat ihren Ursprung in den
überall im Boden und in Baustoffen vorkommenden natürlichen radioaktiven Stoffen
(Radionuklide) wie z.B. Uran, Thorium oder Kalium (K-40). Die kosmische
Strahlung hat ihren Ursprung im Weltraum, durch Wechselwirkung mit der
Atmosphäre wird diese stark reduziert, ein gewisser Anteil erreicht jedoch auch
die Erdoberfläche.
Natürliche Strahlung
Die Höhe der äußeren Strahlung wird in der Einheit μSv/h (Mikrosievert pro Stunde) angegeben. Die
natürliche ODL bewegt sich in Deutschland je nach örtlichen Gegebenheiten
zwischen 0,05 μSv/h und 0,2 μSv/h. Die Strahlung die durch den Reaktorunfall in Tschernobyl 1986 frei gesetzt wurde,
trägt heute nur wenig zur gemessenen "natürlichen" Gamma-Ortsdosisleistung (ODL) bei.
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Die äußere Strahlenbelastung ist an einem Ort weitgehend konstant. In Abbildung 1 wird von der Messstelle 010590751 in Schleswig der normale Zeitreihenverlauf der Ortsdosisleistung für den
Zeitraum vom 13.04.2011 bis 15.04.2011 beispielhaft dargestellt. Diese Zeitreihe ist frei
von kurzzeitigen Regenereignissen, Schneeabdeckungen oder technischen Störungen.
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Abb. 1: Normaler Zeitreihenverlauf an der Messstelle Schleswig
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Abb. 2: Zeitreihe mit kurzzeitigen Regenereignissen
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Kurzzeitige Erhöhungen bis etwa einen Faktor 2
treten auf, wenn radioaktive Folgeprodukte des natürlich vorkommenden, radioaktiven
Edelgases Radon durch Niederschläge aus der Atmosphäre ausgewaschen und am
Boden deponiert werden. Solche Ereignisse sind fast immer mit Niederschlägen
gekoppelt. Es ist typisch für diese natürlichen Ereignisse, dass die Erhöhung der
ODL nur kurz ist und innerhalb von wenigen Stunden auf den Normalpegel
zurückgeht. Der Abfall der ODL ist in der Regel asymptotisch (langsame Annäherung der Kurve an die ursprüngliche Messwerthöhe) mit einer
typischen Halbwertszeit von 30 Minuten und ist gewöhnlich langsamer als der Anstieg. In Abbildung 2
sind beispielhaft Regenereignisse in der Zeitreihe einer Messstelle in
Todendorf dargestellt.
Zur Verdeutlichung ist in Abbildung 2 neben der ODL (schwarz) auch die Zeitreihe des DWD-Wetterradars (rot), die
die gemessene Wolkendichte widerspiegelt, dargestellt. Eine hohe Wolkendichte
lässt mit großer Wahrscheinlichkeit auf Niederschlag schließen. Während der
Niederschläge ergeben sich kurzzeitige Erhöhungen der ODL durch das Auswaschen der
Radonfolgeprodukte aus der Atmosphäre und der Ablagerung am Boden.
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Auch Schneefall kann, insbesondere wenn der Untergrund vorher schneefrei war zu einer regentypischen Erhöhung der ODL
führen. Durch die Abdeckung des Bodens mit Schnee ergibt sich jedoch in der
Folge eine bleibende Absenkung des ODL-Niveaus (siehe Abbildung 3). Durch die Schneedecke
wird die Bodenstrahlung wirkungsvoll abgeschirmt.
Mit dem Einsetzen von Tauwetter und dem Abschmelzen des Schnees steigen die ODL-Werte wieder
auf das alte Niveau.
Eine Verlaufskurve der Ortsdosisleistung unterliegt neben den kurzfristigen Variationen in längeren
Zeitabschnitten auch jahreszeitlichen Schwankungen die in einer Größenordnung von
einigen 10 nSv/h (Nanosievert pro Stunde) liegen können. Der wesentliche Grund hierfür ist der ständige
Wechsel der Bodenfeuchtigkeit, die Geologie des Untergrundes, die
Oberflächenbeschaffenheit des Bodens sowie das Mikroklima am Standort.
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Abb. 3: Beispiel einer Zeitreihe mit Schneeabdeckung
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Veränderungen der gemessenen ODL
Durch radiologische Ereignisse oder technische Probleme kann die ODL auch in größeren Bereichen
variieren. Die Messstelle detektiert diese Änderungen und versendet automatisch
so genannte Spontanmeldungen um auf diesen Zustand aufmerksam zu machen.
Hierbei werden technische Probleme (Batteriebetrieb von mehr als 5 Stunden, Selbstabschaltung
bei leeren Batterien, Batteriefehler, Ausfall der Zählrohre) sowie radiologische Ereignisse,
die sich u.a. durch Schwellenwertüberschreitungen bemerkbar machen können, detektiert. Bei der
täglichen Plausibilisierung der Daten werden alle Messwerte, die zu einer Grenzwertverletzung
geführt haben und die somit den automatisch vergebenen Status "zu prüfen" besitzen, geprüft und mit den
eingegangenen technischen sowie radiologischen Spontanmeldungen abgeglichen,
so dass Störungen und radiologische
Ereignisse schnell bemerkt werden können. Insbesondere die Zählrohre zeichnen
sich durch eine hohe Empfindlichkeit aus, was leider auch zu Störungen führen
kann. Bei langfristigen, kontinuierlichen Messungen kann auch ein Defekt
innerhalb der Messkette (Sonde, Messwertsender, Stromversorgung) oder eine
atmosphärische Entladung (Blitz) den Verlauf der ODL beeinflussen. Hinweise auf
einen technischen Defekt können sehr unterschiedlich sein. Eine Auswahl häufig
auftretender Störungen werden in den Abbildungen 4 - 8 vorgestellt.
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Ein typischer Verlauf für ein defektes Niederdosiszählrohr ist in Abbildung 4 dargestellt. Nach normalem Verlauf,
ist eine starke Schwankung von Messwert zu Messwert zu erkennen. Die einzelnen
Messwerte nehmen nur bestimmte Zahlenwerte an, es sind keine Zwischenwerte in
der ODL zu erkennen. Betrachtet man sich hierzu die Impulse, so erkennt man
sofort den Defekt. Bei der Berechnung der ODL werden die Impulse des
Hochdosiszählrohres heran gezogen. Die geringe Empfindlichkeit dieses
Zählrohres erzeugt diese Treppenstruktur in der Zeitreihe. Der Messwertsender detektiert diesen
Fehler als Ausfall eines Zählrohres und meldet sich mit einer Spontanmeldung bei dem zuständigen Messnetzknoten im Bundesamt für Strahlenschutz.
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Abb. 4: Niederdosiszählrohr defekt (liefert keine Impulse)
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Abb. 5: Keine ND- und HD-Impulse
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Wenn der Messwertsender weder vom ND-Zählrohr noch vom HD-Zählrohr Impulse erhält, (Abbildung 5) können auch keine
ODL-Messwerte gebildet werden. Erfahrungsgemäß ist die häufigste
Ursache für ein gleichzeitiges Ausbleiben der Impulse von beiden Zählrohren
eine Unterbrechung des Sondenkabels. Ein Ausfall der Sondenelektronik ist eine weitere typische Ursache.
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An Wind exponierten Standorten ist es möglich, dass die gesamte Sonde incl.
des Standrohres bei starkem Wind in Schwingungen versetzt wird. Bei
mechanischer Anregung mit der Resonanzfrequenz kann der Draht im Zählrohr
ebenfalls schwingen und damit den Abstand zur Anode verringern, so dass
Entladungen zwischen Anode und Kathode ausgelöst werden können, die als
Gammaimpulse vom Messwertsender interpretiert werden. Beim Auftreten eines
Windeffekts ist kein regelmäßiges Muster, weder in der Amplitude noch in der
Zeitfolge innerhalb der ODL zu erkennen. Die Erhöhungen sind nach einigen Stunden zu Ende
und wiederholen sich möglicherweise nach einem längeren Zeitraum, siehe Abbildung 6. Um diesem Problem entgegen zu wirken, wird die Sonde gegen eine möglicherweise weniger empfindliche ausgetauscht. Wird das Problem so nicht gelöst, wird ein verstärktes Standrohr an diesem Standort verwendet oder die Sonde wird auf einen etwas geschützteren Standort verlegt.
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Abb. 6: Zeitreihe mit Windeffekt
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Abb. 7: Verdoppelungsfehler
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Beobachtet man signifikante, unter Umständen sogar regelmäßige Erhöhungen in der ODL, so kann es sich um einen sogenannten
Verdopplungsfehler handeln. Dieser Fehler stellt ein technisches Problem der Sonde dar. Nach normalen Verlauf ergeben sich sprunghaft erhöhte Messwerte in der Größenordnung des Doppelten des Grundwertes (Abbildung 7). Nach ein bis mehreren Stunden sinken die Werte normalerweise wieder auf das Grundniveau ab.
Die Ursache dieser Verdopplung liegt in der Auslösung von Folgeimpulsen nach einem gemessenen Zählrohrimpuls,
die nicht durch äußere Strahlung bedingt sind. Oftmals handelt es sich hierbei um einen
Temperatureffekt der altersbedingte Probleme des Zählrohrs aufzeigt. Diese Folgeimpulse werden ebenfalls gezählt, und folglich erscheint die berechnete ODL erhöht.
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Innerhalb des normalen Verlaufs ergeben sich einzelne erhöhte Messwerte (Abbildung 8) in der Größenordnung
von einigen 0,1 μSv/h. Es lässt sich keine Regelmäßigkeit in der Abfolge der
Erhöhungen erkennen. Vielfach handelt es sich um
elektromagnetische Störungen im Bereich der Zuleitungen. Durch technische
Weiterentwicklungen im Bereich der Sonde treten Peaks kaum noch auf.
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Abb. 8: Einzelne Erhöhungen (Peaks)
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Schlussfolgerung
Diese Auswahl stellt nur einen kleinen Teil der möglichen Störungen dar. Sonden die diese und auch andere Störungen zeigen werden umgehend ausgetauscht oder repariert. Da das BfS die Messdaten täglich prüft werden defekte Systeme schnell bemerkt und in der Datenbank der Messnetzzentrale erhalten sie den Status defekt. Die Daten dieser Sonden gehen damit in die Voralarmberechnung nicht mehr ein.
Es muss allerdings stets beachtet werden, dass es sich bei den dargestellten Stundenmesswerten um ungeprüfte Rohdaten handelt, die ggf. nicht frei von technischen Störeinflüssen sind.
Ein Anlass zur Besorgnis bei radiologischen Ereignissen besteht erst dann, wenn eine signifikant
erhöhte ODL über längere Zeit (z.B. 1 Tag und länger) anhält, bzw. wenn die
Erhöhung über einen Faktor 2 hinausgeht und keine technische Störung vorliegt.
Kurzzeitige Erhöhungen der ODL durch die Auswaschung von Radonfolgeprodukte,
wie oben beschrieben, sind jedoch keine Auffälligkeiten. Auffällige Werte
auf dem Messsystem müssen daher immer einer eingehenden Plausibilitätsprüfung
unterzogen werden.
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